Beitragsbild: KI-generiert mit Leonardo.Ai. Das Bild zeigt keinen real existierenden Ort, sondern eine für die Region typische Landschaft.
Bordeaux ist das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt für Qualitätswein. Rund 3.000 Weingüter, hier Château genannt, erzeugen die weltberühmten Weine der Region. Ein fein gegliedertes System aus regionalen, subregionalen und kommunalen Appellationen schafft dabei eine klare Qualitätshierarchie: Anders als in Deutschland oder Österreich spielen einzelne Lagen eine untergeordnete Rolle. An ihre Stelle tritt das Château, zu dem sie gehören.
Im Jahr 2019 erzeugten 5.660 Winzer auf 110.800 Hektar rund 5 Millionen Hektoliter Qualitätswein. Typisch sind trockene, langlebige Rotweine, die im Médoc fruchtiger und in Saint-Émilion und Pomerol sanfter und voller ausfallen. Rund 20 Prozent der Erzeugung entfallen auf Weißwein, an dessen Spitze die edelsüßen Sauternes und Barsac stehen.
Lage und Landschaft
Das Weinbaugebiet umfasst die für Qualitätsweinbau geeigneten Lagen des Départements Gironde, im Mündungsgebiet von Garonne und Dordogne auf dem 45. nördlichen Breitengrad. Es gliedert sich in fünf deutlich unterschiedliche Teilgebiete: das Médoc nördlich von Bordeaux am linken Ufer der Gironde, die Graves südlich der Stadt am südlichen Garonne-Ufer, das hügelige Entre-Deux-Mers zwischen beiden Flüssen, das Libournais rund um Libourne am rechten Dordogne-Ufer sowie Blayais und Bourgeais nördlich des Zusammenflusses.
Zusammenfassend werden Médoc und Graves als „Linkes Ufer“ (Rive Gauche) bezeichnet, das Libournais mit Saint-Émilion und Pomerol als „Rechtes Ufer“ (Rive Droite): eine Unterscheidung, die auch den Charakter der Weine prägt.
Böden
Die Landschaft des Bordelais ruht auf einem gewaltigen Kalksteinsockel aus dem Tertiär, der jedoch meist von eiszeitlichen Sand- und Kiesablagerungen bedeckt ist. Diese wurden von den Flüssen Isle, Dordogne und Garonne herangetragen und können im Médoc mehrere Meter dick werden. Solche Kiessandkuppen sorgen für die gute Drainage, die dem anspruchsvollen Cabernet Sauvignon am linken Ufer entgegenkommt, während am rechten Ufer, etwa in Saint-Émilion, verstärkt Kalkplateaus und tonigere Böden vorkommen, die dem Merlot günstigere Bedingungen bieten.
Klima
Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 lag die Jahresdurchschnittstemperatur in Bordeaux bei rund 13,8 °C, in der Vegetationsperiode von April bis Oktober bei etwa 17,8 °C. Der Jahresniederschlag betrug rund 775 Millimeter.
Das ozeanisch geprägte Klima mit mildem Winter und warmem, aber nicht übermäßig heißem Sommer gilt als ideal für die späte, aber gleichmäßige Reife von Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Nähe zum Atlantik dämpft Temperaturextreme in beide Richtungen.
Rebsorten
Bordeaux-Rotwein entsteht überwiegend aus zwei Rebsorten: Merlot (66 Prozent) und Cabernet Sauvignon (22 Prozent, Stand 2019). Eine Nebenrolle spielen Cabernet Franc (9 Prozent), Petit Verdot und Malbec. Die Sorten werden je nach Jahrgang und Château in wechselnden Anteilen verschnitten, oft aus drei bis fünf Sorten zugleich, auch wenn das Etikett eines Bordeaux die Rebsorten niemals nennt.
Meistangebaute weiße Sorte ist Sémillon (46 Prozent), der sich hervorragend zur Erzeugung der edelsüßen Sauternes eignet, ergänzt um Sauvignon Blanc und Muscadelle. Seit 1991 gibt es zudem eine eigene Appellation für Schaumwein, den Crémant de Bordeaux.
Die Klassifizierung von 1855
Je kleiner und enger umgrenzt eine Appellation ist, desto höher gilt tendenziell das Qualitätsniveau. Die berühmteste Einstufung stammt aus dem Jahr 1855 und betrifft die Weine des Médoc sowie von Sauternes und Barsac, eingeteilt nach den seit der Französischen Revolution erzielten Verkaufspreisen:
- Premiers Crus: die fünf höchsten Güter: Château Lafite-Rothschild, Château Latour und Château Mouton-Rothschild (alle Pauillac), Château Margaux (Margaux) und Château Haut-Brion (Graves) — Mouton-Rothschild stieg 1973 als bisher einzige Änderung der Liste vom Deuxième zum Premier Cru auf
- Deuxièmes bis Cinquièmes Crus: weitere gestaffelte Qualitätsstufen, insgesamt rund 60 Güter des Médoc
- Crus Bourgeois: 1932 eingeführt für die 1855 nicht berücksichtigten Güter, 2003 aktualisiert auf 247 Weingüter in drei Stufen
- Spätere Klassifizierungen: 1959 für Graves-Rot- und Weißweine sowie für Saint-Émilion, jeweils deutlich jünger als die berühmte Liste von 1855
Stilistik
Weine vom Linken Ufer, geprägt von Cabernet Sauvignon, zeigen sich straffer, tanninreicher und oft mit Cassis- und Zedernnoten, mit langem Reifepotenzial über Jahrzehnte. Weine vom Rechten Ufer, dominiert von Merlot, wirken runder, weicher und zugänglicher, mit Pflaumen- und Mokkanoten, bei ebenfalls beachtlichem Lagerpotenzial in den besten Lagen von Saint-Émilion und Pomerol.
Die edelsüßen Weißweine aus Sauternes und Barsac, durch Edelfäule konzentriert, zählen zu den langlebigsten Süßweinen der Welt. Die trockenen Weißweine der Graves bleiben demgegenüber vergleichsweise wenig bekannt, obwohl sie zu den charaktervollsten Frankreichs zählen.
Bordeaux auf einen Blick
| Land | Frankreich |
|---|---|
| Département | Gironde |
| Rebfläche | 110.800 Hektar |
| Winzer | 5.660 (rund 3.000 Château-Weingüter) |
| Jahresproduktion | rund 5 Millionen Hektoliter (2019) |
| Teilgebiete | Médoc, Graves, Entre-Deux-Mers, Libournais, Blayais/Bourgeais |
| Leitsorten (rot) | Merlot (66 %), Cabernet Sauvignon (22 %) |
| Leitsorte (weiß) | Sémillon (46 %) |
| Bioanbau | rund 25.000 Hektar |
| Jahresmitteltemperatur | rund 13,8 °C (1991–2020) |
| Niederschlag | rund 775 mm im Jahr |
| Besonderheit | Klassifizierung von 1855, bis heute weitgehend unverändert gültig |
Was Sie von Bordeaux probieren sollten
Fünf Weintypen, die die Bandbreite zwischen Linkem und Rechtem Ufer sowie Rot- und Weißwein zeigen.
- Médoc, Cabernet-Sauvignon-betont
Straff und tanninreich, mit Cassis- und Zedernnoten. Braucht meist einige Jahre Flaschenreife. - Saint-Émilion oder Pomerol, Merlot-betont
Runder und zugänglicher als Médoc-Weine, mit Pflaumen- und Mokkanoten. - Graves trocken, weiß
Die unterschätzte Weißweinseite Bordeauxs: charaktervoll, aus Sémillon und Sauvignon Blanc. - Sauternes oder Barsac
Edelsüß, durch Edelfäule konzentriert. Einer der langlebigsten Süßweine der Welt. - Crémant de Bordeaux
Der Schaumwein der Region, seit 1991 als eigene Appellation anerkannt: eine zugänglichere Alternative zu den großen Châteaux-Weinen.
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