Beitragsbild: eigene Aufnahme von Markus Pauly, Bodega in Jerez de la Frontera.
Cádiz ist die südwestlichste Weinregion Spaniens und untrennbar mit dem Sherry verbunden: dem aufgespriteten Wein, der die Region seit Jahrhunderten weltberühmt gemacht hat. Weinrechtlich ist die Lage komplizierter, als der Ruf vermuten lässt: Der eigentliche „Cádiz“-Wein ist als Vino de la Tierra klassifiziert, eine geschützte geografische Angabe für unfortifizierte Weine, während der berühmte Sherry unter der eigenständigen Herkunftsbezeichnung Jerez-Xérès-Sherry läuft.
Von den 1.015 Hektar Rebfläche der Cádiz-Landweine sind 812 Hektar gleichzeitig auch für die Sherry-Erzeugung zugelassen: Dieselben Weinberge liefern also je nach Ausbau entweder klassischen, aufgespriteten Sherry oder moderne, unfortifizierte Weine unter der Bezeichnung Cádiz.
Lage und Landschaft
Das Herzstück der Region bildet das sogenannte Sherry-Dreieck zwischen Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María, nahe der Atlantikküste in der Provinz Cádiz. Zugelassen für Anbau und Erzeugung sind insgesamt 15 Gemeinden, von Chiclana de la Frontera im Süden bis Villamartín im Landesinneren.
Die Nähe zum Atlantik prägt das Gebiet entscheidend: feuchte Meeresluft und der lokale Levante-Wind sorgen für ein mildes, wenig extremes Klima, das die für Sherry typische Florhefe begünstigt, jene Hefeschicht, die sich auf dem lagernden Wein bildet und ihn vor Oxidation schützt.
Böden
Die besten Lagen stehen auf Albariza: einem weißen Kalkboden, der dem Gebiet sein charakteristisches Aussehen gibt. Die schichtige Struktur speichert Wasser gut, während die leicht pulverisierende Oberfläche wie eine natürliche Mulchschicht wirkt und die Verdunstung in den heißen andalusischen Sommern vermindert. Albariza-Böden finden sich vor allem an den Hängen.
In den Tälern liegen die lehmigeren, humusreicheren Barros-Böden, die heute kaum noch bestockt werden: Fast alle Spitzenlagen konzentrieren sich inzwischen auf die Albariza-Hänge.
Klima
Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 lag die Jahresdurchschnittstemperatur im Raum Jerez de la Frontera bei rund 18,1 °C, in der Vegetationsperiode von April bis Oktober bei etwa 22,0 °C: mit Abstand die höchsten Werte unter den bisher beschriebenen europäischen Weinbaugebieten. Der Jahresniederschlag betrug rund 512 Millimeter.
Diese Wärme in Kombination mit der Atlantiknähe und dem regelmäßigen Levante-Wind schafft ein Klima, das für aufgespritete Weine ideal ist: warm genug für hohe Zuckergehalte im Traubenmost, aber mit genug maritimer Frische, um die für Sherry entscheidende Florhefe am Leben zu halten.
Rebsorten
Traditionell dominiert die weiße Sorte Palomino, die Grundlage praktisch aller trockenen Sherry-Typen wie Fino und Manzanilla. Für Manzanilla, die ausschließlich in Sanlúcar de Barrameda gekelterte Sherry-Variante, wird eigens die Unterart Palomino Fino verwendet, deren Trauben rund eine Woche vor der Vollreife gelesen werden.
Für die unfortifizierten Cádiz-Weine ist der zugelassene Rebsortenspiegel deutlich breiter: bei Rotwein unter anderem Tempranillo, Syrah, Cabernet Sauvignon, Merlot und die lokale Tintilla de Rota, bei Weißwein neben Palomino auch Sauvignon Blanc, Chardonnay, Riesling und Verdejo. Pedro Ximénez und Moscatel de Alejandría liefern die süßen, oft ebenfalls aufgespriteten Dessertweine der Region.
Fino, Manzanilla, Amontillado, Oloroso
Der klassische Sherry reift im Solera-System, bei dem ältere und jüngere Jahrgänge stufenweise vermischt werden. Je nach Reifeweg entstehen unterschiedliche Stile:
- Fino: trocken, blass, unter der schützenden Florhefe gereift; der klassische, leichte Sherry-Stil aus Jerez
- Manzanilla: die Fino-Variante aus Sanlúcar de Barrameda, salziger und säurebetonter durch die direkte Meeresnähe
- Amontillado: ein Fino, dessen Florhefe-Schicht abgebaut ist und der dadurch oxidativ weiterreift: dunkler, nussiger, kräftiger
- Oloroso: von Anfang an ohne Florhefe-Schutz ausgebaut, kräftig, dunkel und intensiv, mit deutlich höherem Alkoholgehalt
Stilistik
Klassischer Sherry aus Cádiz reicht von hell, trocken und salzig (Fino, Manzanilla) bis dunkel, nussig und intensiv (Amontillado, Oloroso), dazu die süßen Pedro-Ximénez- und Moscatel-Dessertweine. Das namensgebende Solera-System sorgt dafür, dass ein guter Sherry über Jahrzehnte einen konstanten, aber ständig durch jüngere Jahrgänge aufgefrischten Charakter behält.
Daneben hat sich in den letzten Jahren eine neue Generation von Winzern etabliert, die auf denselben Albariza-Böden unfortifizierte, moderne Weine unter der Bezeichnung Cádiz erzeugt: Rot-, Weiß- und Roséweine ohne Aufspritung, die dieselbe Herkunft, aber eine völlig andere Stilistik zeigen als der klassische Sherry.
Cádiz auf einen Blick
| Land | Spanien |
|---|---|
| Region | Andalusien, Provinz Cádiz |
| Rebfläche | 1.015 Hektar (Cádiz-Landwein), davon 812 Hektar auch für Sherry D.O. zugelassen |
| Klassifikation Landwein | Vino de la Tierra / IGP Cádiz |
| Klassifikation Sherry | Denominación de Origen Jerez-Xérès-Sherry, separat Manzanilla-Sanlúcar de Barrameda |
| Zentrum | Sherry-Dreieck: Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda, El Puerto de Santa María |
| Leitsorte | Palomino (Sherry); breiter Sortenspiegel für Cádiz-Landweine |
| Böden | Albariza (weißer Kalk) an den Hängen, Barros in den Tälern |
| Jahresmitteltemperatur | rund 18,1 °C in Jerez de la Frontera (1991–2020) |
| Niederschlag | rund 512 mm im Jahr |
| Besonderheit | Reifung im Solera-System unter Florhefe (velo de flor) |
Was Sie von Cádiz probieren sollten
Fünf Weintypen, die die klassische und die neue Seite von Cádiz zeigen.
- Fino Sherry
Trocken, blass, salzig-frisch. Der klassische Aperitif-Sherry, kalt getrunken. - Manzanilla aus Sanlúcar de Barrameda
Noch salziger und säurebetonter als Fino, durch die direkte Atlantiknähe. Passt hervorragend zu Meeresfrüchten. - Amontillado oder Oloroso
Dunkler, nussiger und kräftiger, oxidativ ausgebaut. Für alle, die die intensivere Seite des Sherrys kennenlernen wollen. - Pedro Ximénez
Der süße Dessertwein der Region: dunkel, dicht, mit Rosinen- und Karamellnoten. - Luis Pérez »Garum«
Ein moderner, unfortifizierter Rotwein aus genau denselben Albariza-Lagen, die traditionell nur Sherry hervorbrachten: ein gutes Beispiel für die neue Cádiz-Weinszene abseits des klassischen Solera-Stils.
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