Beitragsbild: KI-generiert mit Leonardo.Ai. Das Bild zeigt keinen real existierenden Ort, sondern eine für die Region typische Landschaft.
Somontano bedeutet wörtlich „Region unterhalb der Berge“ und liegt, wie der Name andeutet, am Südrand der Pyrenäen, rund um das Städtchen Barbastro in Aragonien. Das Gebirge im Rücken schützt die Weinberge vor kalten Nordwinden und schafft ein Mikroklima, das sich deutlich von dem der offenen Ebro-Ebene unterscheidet.
Wie viele nordspanische Weinbaugebiete erlebte Somontano im späten 19. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt, gefolgt vom fast vollständigen Zusammenbruch durch die Reblaus, und erst in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Wiederbelebung.
Lage und Landschaft
Das Anbaugebiet liegt auf einer Höhe von 350 bis 650 Metern und umfasst 42 Gemeinden der Comarca Somontano de Barbastro, darunter Alquézar, Naval, Graus und Barbastro selbst als Zentrum. Diese vergleichsweise große Zahl an Gemeinden macht Somontano zu einem der administrativ am feinsten gegliederten spanischen Weinbaugebiete.
Die Nähe zu den Pyrenäen prägt nicht nur das Klima, sondern auch die Landschaft: hügeliges, von den Gebirgsausläufern geformtes Gelände, deutlich anders als die weiten Hochebenen von Ribera del Duero oder Rioja.
Böden
Die Böden Somontanos sind geprägt von den geologischen Ablagerungen der Pyrenäenausläufer, mit einer Mischung aus kalkhaltigen und lehmigen Anteilen, die je nach Gemeinde variieren. Diese Vielfalt spiegelt sich im ungewöhnlich breiten zugelassenen Rebsortenspiegel des Gebiets wider.
Klima
Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 lag die Jahresdurchschnittstemperatur im Raum Barbastro bei rund 13,2 °C, in der Vegetationsperiode von April bis Oktober bei etwa 18,3 °C: die höchsten Werte unter den bisher beschriebenen spanischen Weinbaugebieten. Der Jahresniederschlag betrug rund 593 Millimeter, wobei ältere Quellen von rund 550 Millimetern für die eigentlichen Weinlagen ausgehen.
Charakteristisch sind die großen Temperaturunterschiede zwischen kalten Wintern und heißen Sommern: Das schützende Gebirge im Norden hält zwar kalte Winde ab, verhindert aber nicht die ausgeprägte kontinentale Temperaturspanne über das Jahr.
Rebsorten
Somontano erlaubt einen für spanische Verhältnisse ungewöhnlich breiten Rebsortenspiegel: bei den roten Sorten Moristel, Tempranillo, Garnacha, Parraleta, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Syrah, bei den weißen Macabeo, Garnacha Blanca, Alcañón, Chardonnay und Gewürztraminer.
Rotwein macht den überwiegenden Teil der Erzeugung aus, Weißweine liegen bei rund 15 Prozent, ein kleiner Rest entfällt auf Rosado. Diese Sortenvielfalt geht auf die historische Prägung durch internationale Sorten zurück, die bereits im 19. Jahrhundert hier angebaut wurden.
Vom Reblaus-Zusammenbruch zur Wiederbelebung
Die Geschichte Somontanos lässt sich in klaren Etappen erzählen:
- Ab 1894: die französische Winzerfamilie Lalanne, deren Bordeaux-Weinberge der Reblaus zum Opfer gefallen waren, findet in Somontano noch intakte Rebflächen und baut Cabernet Sauvignon und Merlot für den südamerikanischen Markt an
- Ende 19. Jahrhundert: rund 100.000 Hektar Rebfläche, das 30-Fache der heutigen Fläche
- Danach: auch Nordspanien wird von der Reblaus erfasst, Jahrzehnte der Stagnation folgen
- Seit den 1980er Jahren: neue Investitionen beleben das Gebiet, 1984 Anerkennung als Denominación de Origen
- Heute: Wachstum von 1.300 Hektar (vor 22 Jahren) auf rund 4.600 Hektar
Stilistik
Somontano-Weine gelten als vielseitig und oft international geprägt, eine Folge des breiten Rebsortenspiegels aus einheimischen und internationalen Sorten. Rotweine aus Moristel oder Tempranillo zeigen regionale Eigenständigkeit, während Cabernet-Sauvignon- und Merlot-Weine stilistisch näher an internationalen Vorbildern liegen.
Diese Bandbreite macht Somontano zu einem der experimentierfreudigsten spanischen Weinbaugebiete: Wo viele andere Regionen auf eine oder zwei Leitsorten setzen, probiert man hier bewusst eine größere Vielfalt aus.
Somontano auf einen Blick
| Land | Spanien |
|---|---|
| Region | Aragonien |
| Comarca | Somontano de Barbastro |
| Rebfläche | rund 4.600 Hektar (vor 22 Jahren: 1.300 Hektar; Ende 19. Jh.: rund 100.000 Hektar) |
| Klassifikation | Denominación de Origen (seit 1984) |
| Gemeinden | 42 |
| Höhenlage | 350–650 m |
| Rebsorten | 13 zugelassene Sorten, ungewöhnlich breiter Rebsortenspiegel |
| Weißwein-Anteil | rund 15 % |
| Jahresmitteltemperatur | rund 13,2 °C in Barbastro (1991–2020) |
| Niederschlag | rund 593 mm im Jahr |
Was Sie von Somontano probieren sollten
Fünf Weintypen, die die ungewöhnliche Sortenvielfalt Somontanos zeigen.
- Somontano Moristel
Die einheimische Rarität: leicht bis mittelkräftig, mit eigenständigem Charakter abseits internationaler Sorten. - Somontano Tempranillo-Cabernet-Sauvignon-Cuvée
Zeigt die typische Verbindung aus spanischer Leitsorte und internationalem Verschnittpartner. - Somontano Chardonnay oder Gewürztraminer
Die international geprägte Weißweinseite eines Gebiets, das seinen breiten Rebsortenspiegel bewusst pflegt. - Somontano Syrah oder Pinot Noir
Für alle, die die Experimentierfreude des Gebiets bei internationalen Rotweinsorten kennenlernen wollen. - Somontano Garnacha Blanca
Eine der selteneren weißen Sorten des Gebiets, mit rundem Körper und dezenter Frucht.
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